Ohne Chemo geht es auch
Ohne Chemo geht es auch

 

 

 

Wenn ein Tumorpatient Strahlung oder Chemotherapie erhält, wird nur die eine Frage gestellt: „Wie geht es dem Tumor?“ Niemand fragt jemals wie es dem Patient geht. Ich erinnere mich gut daran, während meiner medizinischen Ausbildung Patienten gesehen zu haben, die Strahlung und/oder Chemotherapie erhielten. Der Tumor wurde kleiner und kleiner, aber der Patient wurde kränker und kränker. Bei der Autopsie würden wir hören: „Ist das nicht wunderbar? Der Tumor ist verschwunden.“ Ja, das ist er, aber mit ihm auch der Patient.“ Philip E. Binzel, Jr., M.D. (Author of: Alive and Well)

 

Mit einer Chemotherapie steigt die Chance, für den Patienten einen metastasierenden Krebs zu besiegen, um 2 Prozent (im Gesamt-Durchschnitt). Und wie sieht es aus wenn man keine Chemotherapie bekommt? Ich denke, da sind die Heilungschancen viel höher.

 

Chemotherapie kann unterschiedliche Ziele haben.

Zum einen wird sie kurativ verabreicht - heißt, alle Krebszellen die im Körper herumschwirren, sollen damit beseitigt werden, um eine Heilung zu erreichen.

Das Ziel einer adjuvanten Chemo besteht darin, alle nach der OP im Körper verbliebenen Krebszellen zu erwischen, die sich diagnostisch nicht nachweisen lassen. Dies geschieht um Rückfälle zu verhindern.

Die neoadjuvante (n.a.) Chemo wird vor der OP gegeben, um inoperable Tumoren zu schrumpfen, was auch meist gelingt. Aber auch, um nach der Schrumpfung brusterhaltend operieren zu können, wird die n.a. Chemo verabreicht.

Palliative Chemo bekommt man, wenn bereits Metastasen im Körper sind und eine Heilung nicht mehr möglich ist. Damit sollen Beschwerden - wie starke Schmerzen wegen Metastasen -  gemindert und die Ausbreitung der Krankheit verlangsamt werden. Man kann so noch ein paar Monate, sogar Jahre herausschinden. Chemotherapie ist eine systemische Behandlung, da diese  - gegeben durch eine Infusion in eine Vene oder einen Port (wird während einer ambulanten OP gesetzt, ist ein Zugang mit Kammer und ein dünner Schlauch führt in die große Herzvene, damit das Gift mit dem dortigen vermehrten Blutfluss schneller verbreitet wird) ins Blutsystem -im gesamten Körper wirkt. Oft werden verschiedene Mittel miteinander vermischt, was die Wirksamkeit erhöhen soll. Aber gleichzeitig eben auch die Nebenwirkungspalette erweitert. Chemo's werden in Zyklen gegeben, die abhängig sind von der Wirkungsdauer des Medikamentes oder auch der Zeit, die Patient zur Erholung von der Tortur benötigt. Jede Therapie wird nach individueller Situation des Patienten gemischt und verabreicht. https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/chemotherapie-durchfuehrung.php

 

Bestrahlung. Auch hier gibt es verschiedene Anwendungsmöglichkeiten. Sie erfolgt nach brusterhaltender OP, nach Brustamputation aber auch primär, das heißt, ohne vorherige OP oder Chemo. Es kommt immer auf die Umstände an und ist bei jedem anders anzuwenden. Bestrahlung erfolgt meist weit im gesunden Gewebe um sicher zu gehen, auch abtrünnige und alle übrig gebliebenen Krebszellen zu erwischen. Die Strahlendosis ist dementsprechend hoch, damit die Tumorzellen auch wirklich absterben. Als Nebenwirkungen sind Verbrennungen des Gewebes bekannt. Oft tritt an bestrahlter Stelle erneut ein Tumor auf, weil eben auch alle gesunden Zellen einen Schaden in der DNA erlitten haben. Noch extremer ist, wenn tiefer gelegene Organe und vor allem die Lymphbahnen durch eine großflächige Bestrahlung geschädigt werden. Letzteres kann den sogenannten "Elefantenarm" (Lymphstau) zur Folge haben. Für mich ist diese Therapie ebenso tabu.

 

Eine Operation ist eigentlich immer angesagt, denn das Symptom muss unbedingt herausgeschnitten werden, ebenso wie bei der Bestrahlung weit im gesunden Gewebe. Auch hier gibt es verschiedene Methoden bei Brustkrebs. Man operiert seit einigen Jahren wieder brusterhaltend, wenn es möglich ist. Dies erhält den Busen teilweise, birgt aber auch größere Rückfallrisiken.Außerdem darf der Knoten nicht größer als 2 cm sein und muss weit genug von der Brustwarze entfernt liegen, ebenso nicht entzündet sein und keine Ausläufer ins umliegende Gewebe gebildet haben. Dies ist m. M. n. meist nur bei einem Carcinoma in situ der Fall. Außerdem muss der Tumor von den Drüsengängen und nicht von den Drüsenläppchen ausgehen.In den meisten Fällen wird jedoch die gesamte Brust amputiert, oft noch mit der Entfernung der Lymphknoten in der Achsel oder ganzer Lymphbahnen - je nach Befall oder Klinik. Hat der Tumor bereits tiefer gelegenes Gewebe infiltriert, wird manchmal auch der Brustmuskel mit entfernt. Das ergibt riesige Wunden, später Narben und Störfelder und auch Probleme mit dem Lymphfluss. Mehr darüber finden sie im Web.

 

Antihormontherapie (AHT). Viele Tumoren wachsen hormonabhängig. Diese werden mit einem Entzug der Geschlechtshormone therapiert, um ein weiteres Wachstum zu unterbinden. Die AHT beginnt meist nach der Chemo und OP. Tamoxifen und Toremifen blockieren die Andockstelle für das Östrogen und können in Tablettenform eingenommen werden. Nebenwirkungen gleichen meinen derzeitigen Wechseljahresbeschwerden - Hitzewellen, Schweißausbrüche, Schlaflosigkeit dadurch, Herzrasen etc. Bei Männern mit Prostatakarzinom kommt neben der Gabe von Antiandrogenen (diese blockieren die Testosteronrezeptoren an den Zellen) oder GnRH-Analogika, die die Hormonbildung gleich im Gehirn stoppen ebenso eine Entfernung des Hoden in Frage. Beide Medikamentengaben kommen einer chemischen Kastration gleich. Ein Busen kann wachsen und der Sexualtrieb versiegen. Männer sind im Falle von P. Krebs schlimmer dran als wir Frauen mit Brustkrebs.

 

Antikörpertherapie. Tastazumab beispielsweise ist ein monoklonaler Antikörper, der bei Frauen angewandt wird, deren Krebszellen eine erhöhte Konzentration des Her2-Proteins aufweisen. Diese Krebsform ist aggressiver. http://www.krebsgesellschaft.de/pat_ka_brustkrebs_expertenkommentar_rack,107699.html

 

Antiangiogenese. Mit VEGF-Rezeptoren-Blockern, die Bindungsstellen von Wachstumsfaktoren (VEGF Rezeptoren) belegen, kann man eine Neubildung von Blutgefäßen in die Tumoren hemmen. Jedoch wiederum mit starken Nebenwirkungen. Denn diese Mittel wirken nicht nur örtlich und könnten anderswo im Körper, wo sie notwendig ist, auch die Blutgefäßbildung unterbinden(Wundheilung). http://www.habichtswaldklinik.de/antiangiogenese.html

 

Aromatase-Hemmer wie Letrozol oder Exemestan setzen das Enzym Aromatase außer Gefecht. Dieses baut Vorstufen der Geschlechtshormone im Fett-, Brustdrüsen - und Muskelgewebe in Östrogen um. Wird da gehemmt, gibts keinen Nachschub. Sie eignen sich aber nur für Frauen nach den Wechseljahren oder ohne Eierstöcke, weil sie die Bildung der Hormone in den Eierstöcken nicht aufhalten können. http://www.netdoktor.de/Krankheiten/Brustkrebs/Therapie/Brustkrebs-Antihormontherapie-10327.html

All diese Therapien sind mit schweren Nebenwirkungen behaftet, eben weil die Medikamente chemisch sind und schlecht vom Körper verstoffwechselt werden können. Andere greifen in die körperliche Biologie ein und stören gewisse Reparaturmechanismen. Bei der Chemo ist außerdem eine totale Zerstörung der Krebszellen erwünscht. Doch leider erwischt es nicht nur diese, sondern alle sich schnell teilenden Zellen im Körper.

 

„Die ursächliche Heilbehandlung wird mehr denn je sträflich vernachlässigt. Noch immer befindet sich der Mediziner in einem Hamsterrad zwischen Ethik und Profit. Der Arzt darf sich jedoch niemals wirtschaftlichen Interessen beugen, sondern ist der Wahrheit verpflichtet.“Dr. med. J. Birmanns, Arzt im Dr. M. O. Bruker-Haus

 

 

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© Ramona Uhlisch